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Noch immer konnte sich kein biometrisches Verfahren als ultimative
Lösung aller Sicherheitsprobleme durchsetzen oder die Bedenken der
Skeptiker restlos zerstreuen. Die Zahl der Forschungsarbeiten,
Pilotprojekte und Einsatzmöglichkeiten indes wächst stetig.
Nach zahlreichen anderen Städten in verschiedenen Ländern kann nun
auch Deutschland endlich ein eigenes Flughafen-Biometrieprojekt
vorweisen. Bundesinnenminister Otto Schily, seit den Terroranschlägen
auf die USA zum glühenden Verfechter aller nur erdenklichen
Überwachungs- und Kontrollmaßnahmen mutiert, nahm Mitte Februar auf
dem Flughafen Frankfurt am Main das Pilotprojekt Automatisierte
und biometriegestützte Grenzkontrolle, in Betrieb. Sechs Monate
lang können Freiwillige nun das am Flughafen statt manueller Kontrolle
installierte Iris-Erkennungssystem für ein automatisiertes und somit
schnelleres Passieren testen. Bild Seitenwechsel: Protestierte Otto
Schily in den 80er-Jahren noch vehement gegen die Einführung des
maschinenlesbaren Ausweises, so entwickelte sich der
Bundesinnenminister in den vergangenen Jahren zum glühenden Verfechter
biometrischer Verfahren.
Da mit Schilys Antiterrorgesetzen die rechtliche Grundlage für die
Einführung biometrischer Merkmale in Pässe und Personaldokumente
geschaffen wurde, gilt es nun, die Verfahren in der Praxis zu
erproben. Obwohl die Iris-Erkennung derzeit als zuverlässigstes
Verfahren gilt, behalte man sich vor, die biometrische Komponente beim
Pilotprojekt auszutauschen, so Schily. Vom Einsatz der Biometrie
verspricht er sich eine höhere Sicherheit und gleichzeitig mehr
Bequemlichkeit für unbescholtene Reisende. Immerhin 1400 Freiwillige
beteiligten sich bereits am Projekt, so die letzte Meldung aus dem
Ministerium.
Insgesamt ist jedoch der Widerstand gegen biometrische Verfahren
hierzulande groß, wie Umfragen unter potenziellen Anwendern und
Reaktionen von Bürgerrechtsorganisationen belegen. Zum einen, da die
in Sachen Datenschutz sensibilisierte deutsche Bevölkerung und alle
von Berufs wegen mit Datenschutz Befassten immer gleich das
Schlimmste, etwa den staatlichen Missbrauch von Informationen sowie
die totale Kontrolle der Bürger, befürchten. Zum anderen zweifeln
viele an der Zuverlässigkeit der Verfahren und fürchten falsche
Schlussfolgerungen respektive unangenehme Konsequenzen. Zumindest die
erste Sorge versucht man den Versuchspersonen am Frankfurter Flughafen
zu nehmen: Das Projekt wird von Datenschützern begleitet.
Auf der Cebit zeigen junge Forscher der Universität des Saarlandes
eine datenschutzverträgliche Biometrie-Installation (Halle 11, Stand
E30). Präsentiert wird eine Gesichtserkennungslösung in Kombination
mit einer Chipkarte. Der Clou: Die Referenzdaten, anhand derer das
System eine Person identifiziert, sind in keiner Datenbank, sondern
ausschließlich auf der Chipkarte gespeichert und befinden sich somit
vollständig unter der Kontrolle des Eigentümers. Das
Indentifikationssystem ist ein Teilprojekt von Verisoft
(www.verisoft.de), einem durch das Bundesministerium für Bildung und
Forschung geförderten Projekt des deutschen Zentrums für Luft- und
Raumfahrttechnik zur urchgängigen, formalen Verifikation von
Computersystemen.
Was die Zuverlässigkeit biometrischer Verfahren angeht, so bieten die
Ergebnisse von Studien einen gewissen Interpretationsspielraum, den
sowohl Gegner als auch Befürworter für den eigenen Standpunkt
ausnutzen. Als beispielsweise im vergangenen Herbst die vom Bundesamt
für Sicherheit in der Informationstechnik (www.bsi.de) in Auftrag
gegebene vergleichende Studie zu Gesichtserkennungssystemen
BioFace herauskam, war das Urteil der kritischen
Pressevertreter vernichtend. Die Projektbeteiligten der Studie,
Mitarbeiter des Fraunhofer Instituts für graphische Datenverarbeitung
IGD (Halle 11, Stand A24) hingegen sehen die Ergebnisse teilweise in
einem anderen Licht. Selbst wenn nur zehn Bösewichter aus einer großen
Menschenmasse herausgefiltert werden könnten, sei das ein positives
Ergebnis, meint Biometrie-Experte Dr. Christoph Busch vom IGD. Zumal
ein Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes kaum in der Lage wäre, über
einen langen Zeitraum das Video-bild einer Ueberwachungskamera
ermüdungsfrei zu beobachten und in der passierenden Menschenmenge 34
Prozent der gesuchten Personen zu detektieren - so wie die
Erkennungssysteme
Zweifel an der Zuverlässigkeit bekannter biometrischer Verfahren sind
vermutlich der Grund, weshalb Forscher weiterhin nach neuen Methoden
der Körpervermessung suchen. So beschreibt das koreanische Unternehmen
Evermedia (Halle 3, Stand B51) auf seiner Website die Technik der
Blutadererkennung. Das Verfahren basiert auf der einzigartigen
Anordnung der Blutgefäße, die man in der Handfläche oder am Handgelenk
des Menschen abliest. Diese Landkarte wird mit Hilfe
infraroter Beleuchtung und einem Spezialfilter sichtbar gemacht, mit
einer digitalen Kamera erfasst, in Daten umgewandelt und mit
gespeicherten Referenzdaten verglichen. Produkte mit dieser
ungewöhnlichen Technik vertreibt das Unternehmen allerdings (noch?)
nicht.
Von allen Überwachungsszenarien und Big-Brother-Befürchtungen einmal
abgesehen, leisten biometrische Produkte in Unternehmen mit begrenzten
Benutzerzahlen gute Dienste: Ob für die Zugangskontrolle zu Räumen via
Fingerabdruckterminal, für den per Fingerabdruck gesicherten Zugriff
auf USB-Speichersticks oder die Authentifizierung durch
Unterschriften- sowie Handschriftenerkennung. (ur)
Quelle: iX Cebit/2004, S. 15: Biometrie
Datum: März 2003
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